Erste lokale West-Nil-Virus-Fälle in Baden-Württemberg bestätigt
In Baden-Württemberg sind erstmals zwei Menschen nachgewiesen worden, die sich innerhalb Deutschlands mit dem West-Nil-Virus infiziert haben. Wie das Sozialministerium des Landes mitteilte, handelt es sich um zwei Männer im Alter von 28 und 83 Jahren aus dem Raum Stuttgart und Karlsruhe. Beide hatten sich zuvor nicht im Ausland aufgehalten und steckten sich nach derzeitigem Stand durch Stiche infizierter Stechmücken an. Die Infektionen wurden in der vergangenen Woche entdeckt. Nach Angaben des zuständigen Landratsamts befindet sich die erkrankte Person aus dem Raum Karlsruhe auf dem Weg der Besserung.
Was ist das West-Nil-Virus?
Das West-Nil-Virus wird laut Robert Koch-Institut (RKI) hauptsächlich von Stechmücken zwischen wildlebenden Vögeln übertragen. Die Mücken können jedoch auch Menschen und andere Säugetiere infizieren. Etwa 20 Prozent der Menschen, die sich mit dem Virus anstecken, entwickeln West-Nil-Fieber , eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung. Nur etwa jede 100. infizierte Person erkrankt schwer. Das West-Nil-Fieber heilt laut RKI in der Regel komplikationslos aus. Nur bei schwer erkrankten Patienten seien Spätfolgen relativ häufig.
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet im alltäglichen Kontakt nicht statt, betont das Ministerium. Auch die Übertragung vom Menschen auf eine Stechmücke sei aufgrund der geringen Viruslast im peripheren Blut Infizierter nicht beschrieben. Eine Quarantäne für infizierte Personen ist daher nicht erforderlich.
Verbreitung in Deutschland und Europa
Lokal erworbene West-Nil-Infektionen sind in Deutschland laut Ministerium seit 2019 bekannt und wurden zunächst überwiegend in ostdeutschen Bundesländern festgestellt. In diesem Jahr wurden bis zum 7. Oktober bundesweit vier Fälle dokumentiert: zwei in Berlin sowie jeweils einer in Sachsen und Rheinland-Pfalz. Von Januar bis Mitte Oktober sind der Datenbank des RKI zufolge insgesamt 18 West-Nil-Infektionen bekannt geworden, mindestens sechs Ansteckungen erfolgten im Land. Das RKI geht allerdings davon aus, dass nicht alle Ansteckungen erkannt werden.
In Baden-Württemberg wurde das Virus bereits 2024 in Vögeln und Pferden festgestellt. „Es ist nicht überraschend, dass das West-Nil-Virus nun erstmals auch bei Menschen in Baden-Württemberg nachgewiesen wurde“, sagte Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne) laut Mitteilung.
Europa verzeichnet mit 1.715 Fällen bis 7. Oktober eine Rekordzahl an West-Nil-Virus-Infektionen, wie die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC mitteilte. 130 dieser Fälle endeten tödlich. Mit knapp 750 Fällen und 56 Todesfällen ist Italien das am stärksten betroffene Land. Die Niederlande meldeten bislang 59 Fälle, Belgien 15 Infektionen.
Einschätzung des Risikos
„Nach aktueller Bewertung des Landesgesundheitsamts besteht derzeit aber kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung“, erklärte Minister Hildenbrand. Die Behörden betonen, dass die beiden infizierten Personen sich nach derzeitigem Stand nicht kennen.
Schutzmaßnahmen und Empfehlungen
Eine spezifische antivirale Behandlung oder eine für Menschen zugelassene Impfung steht derzeit laut Ministerium nicht zur Verfügung. Der beste Schutz ist damit der Schutz vor Mückenstichen während der Stechmückensaison. Das Landesgesundheitsamt empfiehlt laut Ministerium folgende Maßnahmen:
- Verwendung von Mückenschutzmitteln
- Tragen langer, heller und weiter Kleidung
- Anbringen von Mückenschutzgittern an Fenstern und Türen
- Vermeidung möglicher Brutstätten für Mücken
Ausblick
Die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC verweist darauf, dass sich das Virus in immer neue Gebiete ausbreitet. Jüngste Nachweise bei Menschen und Tieren in Belgien und den Niederlanden belegen laut ECDC, dass das Virus mittlerweile weiter nördlich zirkuliert , ein Trend, der sich voraussichtlich auch in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Die weitere Ausbreitung des Virus in Europa bedeute, dass mehr Menschen einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind, warnt die Behörde.
Quellen
- West-Nil-Virus: Rekordzahl an Infektionen in Europa , erste Fälle in Baden-Württemberg – Gesundheit – SZ.de
- West-Nil-Virus: Wie gefährlich ist erstmals im Land nachgewiesene Infektion?
- West-Nil-Virus: Erste Fälle bei Menschen in Stuttgart und Karlsruhe – Baden-Württemberg – Pforzheimer-Zeitung
- Infizierter aus Karlsruhe auf Weg der Besserung
- Erste Infektionen bei Stuttgart und Karlsruhe , wie gefährlich ist das West-Nil-Virus?
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