CDC entsendet Epidemiologen nach Pennsylvania

Die US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) entsendet einen Epidemiologen nach Pennsylvania, um den dortigen Masernausbruch einzudämmen. Das teilte eine Sprecherin der Behörde am 15. Oktober 2026 mit. Der Bundesstaat verzeichnet nach Angaben der Gesundheitsbehörden 1.222 bestätigte Masernfälle und sechs Todesfälle im Zusammenhang mit der Erkrankung. Es ist die erste persönliche Unterstützung der CDC vor Ort, nachdem es im August öffentliche Auseinandersetzungen zwischen Bundesgesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und dem Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, gegeben hatte.

Streit um Zählweise der Todesfälle

Auf der offiziellen Webseite der CDC werden bislang nur zwei der sechs in Pennsylvania gemeldeten Todesfälle aufgeführt. Die übrigen Todesfälle seien „unter Prüfung“, so die Behörde. Gouverneur Shapiro hatte im August bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben, dass zwei ungeimpfte Personen an Masernkomplikationen gestorben seien, und Kennedy vorgeworfen, Fehlinformationen über Impfungen zu verbreiten. Kennedy hatte daraufhin angedeutet, die Todesfälle könnten „erfunden“ sein und Shapiro wolle daraus politischen Nutzen ziehen.

Umfang des Ausbruchs

Pennsylvania erlebt laut NBC News den schwersten Masernausbruch in den USA seit 30 Jahren. Neben den 1.222 bestätigten Fällen wurden mindestens 225 Krankenhauseinweisungen gemeldet. Ärzte gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Erkrankungen höher liegt. Weniger als ein Prozent der Fälle im Bundesstaat betreffen vollständig geimpfte Personen, wie das Pennsylvania Department of Health mitteilte.

Krankenhausflur mit medizinischer Ausstattung

Nationale Entwicklung der Masernfälle

Zahlen in den USA

Landesweit meldete die CDC bis zum 15. Oktober 2026 insgesamt 4.410 bestätigte Masernfälle in den USA. Davon wurden 4.392 Fälle aus 47 Bundesstaaten und dem District of Columbia gemeldet, 18 Fälle betrafen internationale Besucher. Im Jahr 2025 hatte die CDC insgesamt 2.289 bestätigte Fälle registriert. Die Behörde verzeichnete 2026 bislang 42 neue Ausbrüche; 96 Prozent aller Fälle stehen mit Ausbrüchen in Verbindung.

Impfstatus der Erkrankten

Nach Angaben der CDC sind etwa 96 Prozent der landesweiten Fälle bei ungeimpften Personen oder bei Menschen mit unbekanntem Impfstatus aufgetreten. Zwei Prozent der Fälle betreffen Personen, die eine Dosis des MMR-Impfstoffs (Masern, Mumps, Röteln) erhalten haben, weitere zwei Prozent Personen mit den empfohlenen zwei Dosen. Die CDC empfiehlt zwei Impfdosen: die erste im Alter von 12 bis 15 Monaten, die zweite zwischen vier und sechs Jahren. Eine Dosis ist zu 93 Prozent wirksam, zwei Dosen zu 97 Prozent.

Jahr Bestätigte Fälle Ausbrüche Bundesstaaten betroffen
2024 285 16 nicht angegeben
2025 2.289 48 45 plus DC
2026 (bis 15. Okt.) 4.410 42 47 plus DC

Maßnahmen und Empfehlungen

Einsatz von Epidemiologen

Pennsylvania hatte offiziell Unterstützung über das Epi-Aid-Programm der CDC angefordert. Dieses Programm ermöglicht schnelle Feldeinsätze bei dringenden Gesundheitsproblemen. Ein sogenannter „Disease Detective“ aus dem Epidemic Intelligence Service der Behörde soll noch in dieser Woche eintreffen, um die Reaktion des Bundesstaates zu verstärken. Die CDC-Sprecherin erklärte, die Behörde werde weiterhin eng mit den Gesundheitsbehörden in Pennsylvania zusammenarbeiten.

Impfempfehlungen der CDC

CDC-Direktorin Dr. Erica Schwartz empfiehlt die MMR-Impfung als wirksamste Methode, um Masern zu verhindern und sich vor einer Infektion zu schützen. Daten der Behörde zeigen jedoch, dass die Impfraten in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind. Im Schuljahr 2025/26 erhielten 92,4 Prozent der Kindergartenkinder die MMR-Impfung , ein Rückgang gegenüber früheren Jahren. John Brownstein, Epidemiologe am Boston Children’s Hospital und ABC-News-Experte, bezeichnete den Einsatz von Bundesexperten bei Masernausbrüchen im Jahr 2026 als „außergewöhnlich“. Es handle sich um eine Krankheit, die man verhindern könne.

Kritik an der Kommunikation

Kritiker bemängeln, dass die Kommunikation auf Bundesebene lückenhaft sei und unbeabsichtigt Fehlinformationen begünstige. Die CDC stellte 100 Millionen US-Dollar für Masernprävention bereit, doch die öffentliche Auseinandersetzung zwischen Bundesgesundheitsminister Kennedy und Gouverneur Shapiro hat nach Ansicht von Beobachtern Unsicherheit geschaffen. Die Diskrepanz zwischen den von Pennsylvania gemeldeten sechs Todesfällen und den zwei auf der CDC-Webseite aufgeführten Todesfällen bleibt Gegenstand der Debatte.

Quellen


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