Im vergangenen Jahr spielte er vor über 2000 Leuten in der Elbphilharmonie, dieses Jahr werden den Pianisten und Performance-Künstler Chilly Gonzales nur 200 Glückliche in Hamburg sehen können. Das mit den Glücklichen ist wörtlich gemeint: Die Karten für seinen Auftritt beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel werden verlost.

In Absprache mit der Glücksspielbehörde werden 1333 Lose zu 20 Euro verkauft, in zwei Shows an einem Abend spielt der kanadische Entertainer dann vor jeweils 100 im vorgeschriebenen Sicherheitsabstand angeordneten Gästen.Konzerte und Festivals sind also nach der Corona-bedingten Live-Musik-Pause wieder möglich. Sie fühlen sich nur anders an und werden auch anders organisiert. Die Produktionskosten sind erheblich höher, allein, weil mehr Ordnerpersonal auf die Einhaltung der Sicherheitsvorgaben achten muss. Das reduzierte Kartenkontingent macht es noch schwieriger, gewinnbringend zu arbeiten.

Die Veranstalter müssen ihre Konzepte zudem eng mit den Behörden abstimmen, die Vorgaben variieren zum Teil von Bundesland zu Bundesland. Die Verantwortlichen der Lanxess Arena in Köln haben zum Beispiel unter dem Titel “Arena Now” ein Covid-19-kompatibles Hygiene-, Raumnutzungs- und Einlasskonzept erarbeitet. Die Besucher sitzen im Innenraum in sogenannten “Cubes” in einem eigenen Bereich. Auf dem Unterrang sind die Plätze in Viererblöcke eingeteilt, mit einem Abstand von jeweils 1,5 Metern zum benachbarten Block. Der Einlass erfolgt über fünf verschiedene Zonen. Insgesamt werden von den 18.000 Plätzen zunächst nur fünf bis zehn Prozent der Gesamtkapazität des Veranstaltungsorts genutzt. 

Das Arenakonzert wird also – in Hinblick auf die Besucherzahlen – fast zu einem Clubkonzert. Dadurch dürften auch die Gagen der Künstler erheblich schrumpfen. Aber immerhin: endlich wieder vor Publikum live auf der Bühne!Der Bundesländer-ÜberblickBADEN-WÜRTTEMBERG: Mit Hygienekonzept und Abstandsregeln sind ab dem 1. August Veranstaltungen mit bis zu 500 Teilnehmenden möglich. Eine ungewöhnliche Location ist nun in Entringen bei Tübingen entstanden: Weil das Freibad wegen der Ausbreitung der Corona-Pandemie geschlossen bleibt, finden nun Konzerte im (leeren) Schwimmbecken statt. In das Becken passen 100 Besucherinnen und Besucher. Weil es dort keine Stühle gibt, sollen Decken und Kissen mitgebracht werden.

BAYERN: Kulturelle Veranstaltungen können bei zugewiesenen Plätzen und Hygienekonzept mit bis zu 400 Gästen im Freien und 200 in Innenräumen stattfinden. Zum Beispiel wird das im Münchner Olympiastadion umgesetzt: Auf der Sommerbühne treten in den kommenden Wochen kostenlos Musikerinnen und Musiker auf. Derzeit gibt es 400 Plätze pro Konzert, die Tickets können online bestellt werden.BERLIN: Ab dem 1.8. dürfen Veranstaltungen mit 500 Teilnehmenden stattfinden, ab dem 1.9. sogar mit 750 Personen. Unter freiem Himmel können bis zu 1000 Menschen zusammenkommen, ab dem 1.9. sogar 5000. Wie sich das anfühlt, kann man in der Waldbühne erleben: Ab dem 4.9. treten dort beispielsweise Roland Kaiser, Sido und Helge Schneider auf.BRANDENBURG: Öffentliche und private Veranstaltungen dürfen wieder mit bis zu 1000 Menschen stattfinden, dazu zählen auch Konzerte. Wer nichts dagegen hat, sich die heimische Picknickdecke unter den Arm zu klemmen, kann beispielsweise an den Picknick-Konzerten vor der Bismarckhöhe in Werder (Havel) teilnehmen.BREMEN: Veranstaltungen mit bis zu 250 Menschen in Innenräumen sind erlaubt. Unter freiem Himmel können bis zu 400 Personen zusammenkommen, etwa beim “KulturSommer Summarum”. Bis Ende August kann man an verschiedenen Open-Air-Veranstaltungen teilnehmen, etwa im Bremer Bürgerpark, im Licht- und Luftbad oder im Park Gut Hodenberg. Tickets können nur im Vorverkauf erstanden werden, viele Aufführungen werden an mehreren Tagen oder mehrmals hintereinander wiederholt.HAMBURG: Mit festen Sitzplätzen sind wieder Veranstaltungen mit bis zu 1000 Teilnehmern im Freien und 650 Teilnehmern in geschlossenen Räumen zulässig. Erleben kann man das bei den “Stadtpark Acoustics” im Hamburger Stadtpark. Dort haben sich etwa Johannes Oerding, Faber, Selig und Thees Uhlmann angekündigt.HESSEN: Veranstaltungen mit bis zu 250 Personen sind erlaubt – und auch eine höhere Teilnehmerzahl kann gestattet werden, wenn der Veranstalter das Einhalten bestimmter Hygiene- und Abstandsregeln überwachen kann.MECKLENBURG-VORPOMMERN: An Veranstaltungen in Innenräumen dürfen maximal 200 Menschen teilnehmen, an Veranstaltungen im Freien 500. Rock, Jazz und Klassik kann man in diesem Sommer etwa im Innenhof des Schweriner Schlosses lauschen. Bis zu 300 Menschen können an den Konzerten teilnehmen.NIEDERSACHSEN: An kulturellen Veranstaltungen dürfen 500 Besucherinnen und Besucher teilnehmen, wenn sie sitzen. Mit genehmigtem Hygienekonzept können ab dem 31. August auch größere Events stattfinden – in der Emslandarena in Lingen etwa. Dort kann man im September beispielsweise Konzerte von Thees Uhlmann, Samy Deluxe und Joris hören. Die Abende sollen bestuhlt mit jeweils 980 Besuchern stattfinden.NORDRHEIN-WESTFALEN: Bei Veranstaltungen von über 300 Teilnehmenden muss ein Hygienekonzept vorgelegt werden, ansonsten gelten die gängigen Abstandsregeln. In Mönchengladbach etwa kann man den Corona-Konzertsommer an einem ungewöhnlichen Platz verbringen – im Strandkorb. Am Open-Air-Festival im Sparkassenpark wollen Joris, Philipp Poisel, Gentleman oder etwa Ben Becker auftreten. Ein Strandkorbticket gilt für zwei Personen.RHEINLAND-PFALZ: In Innenräumen dürfen sich bei Veranstaltungen bis zu 150 Menschen versammeln. Im Freien sind Veranstaltungen mit bis zu 350 Menschen möglich.SAARLAND: Vom 10. August dürfen sich 900 Personen unter freiem Himmel und 450 Personen in geschlossenen Räumen aufhalten. Vom 24. August an sind Höchstgrenzen von 1000 Teilnehmern unter freiem Himmel und 500 in geschlossenen Räumen vorgesehen.SACHSEN: Ab dem 1. September dürfen hier auch Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen stattfinden. Vorher allerdings öffnet die Dresdener Seebühne im Ostra-Areal vom 28. bis zum 30. August ihre Pforten. Auch in der Dresdener Freilichtbühne Junge Garde sollen Konzerte und Comedy-Abende stattfinden.SACHSEN-ANHALT: Bei Veranstaltungen sind unter freiem Himmel bis zu 1000 Menschen erlaubt. In geschlossenen Räumen ist die Teilnehmerzahl auf 250 begrenzt, vom 29. August an dürfen bis zu 500 kommen. Vorher findet in Halle unter freiem Himmel der Jazz-Sommer statt: Bis zum 22. August kann man an den Konzerten im Hof des Händel-Hauses teilnehmen.SCHLESWIG-HOLSTEIN: Mit festen Sitzplätzen sind Veranstaltungen im Freien für bis zu 500 Teilnehmende erlaubt, in geschlossenen Räumen für bis zu 250. Zwar findet das Schleswig-Holstein Musik Festival nicht statt, dafür aber andere Konzertabende: Multipercussion-Musiker Martin Grubinger spielt zum Beispiel auf der Ladeflächen von zwei Trucks an acht Spielorten und am Ostseestrand von Weissenhaus wird ein Strandkorbkonzert gegeben.THÜRINGEN: Neben den grundsätzlichen Infektionsschutzmaßnahmen muss der Zu- und Abgang kontrolliert werden, außerdem sollen die Teilnehmenden während der Veranstaltungen sitzen.
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