Seit Samstagvormittag demonstrieren trotz steigender Infektionszahlen in Berlin viele Menschen gegen die Corona-Politik der Bundesregierung. Ein Polizeisprecher sagte, bereits zum Auftakt des Protestmarschs seien etwa 10.000 Teilnehmer gezählt worden. Diese Zahl war eigentlich erst für die Abschlusskundgebung am Nachmittag angemeldet worden.

Im Lauf der Kundgebung berichtete ein Polizeisprecher nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa von rund 15.000 Teilnehmern, die “Berliner Zeitung” schrieb von 11.000 Demonstranten.Die Protestierenden trugen weder Mundschutz, noch hielten sie Abstandsregeln ein. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte zuletzt härtere Strafen bei Verstößen gegen Corona-Regeln gefordert und verlangte ein entschiedenes Vorgehen bei “unverantwortlichem Fehlverhalten”.Das Motto der Demonstration lautete “Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit”. Den Titel “Tag der Freiheit” trägt auch ein Propagandafilm der Nazi-Filmemacherin Leni Riefenstahl über den Parteitag der NSDAP 1935.

Parolen wie “Die größte Verschwörungstheorie ist die Corona-Pandemie”Zur Demonstration aufgerufen hatte unter anderem die Initiative “Querdenken 711”, die bereits seit Wochen in Stuttgart demonstriert. Nach Angaben von Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) riefen auch verschiedene Neonazi-Organisationen zur Teilnahme auf. Eine ebenfalls für Samstag angemeldete Veranstaltung des Verschwörungstheoretikers Attila Hildmann war im Vorfeld unter anderem wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung untersagt worden. Es war das zweite Verbot einer Hildmann-Kundgebung in Folge.

Auf der Demonstration waren Ortsschilder und Fahnen verschiedener Bundesländer sowie Deutschlandfahnen zu sehen. Ihren Unmut über die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus machten die Menschen mit Trillerpfeifen und Rufen nach “Freiheit” oder “Widerstand” Luft. Auch Parolen wie “Die größte Verschwörungstheorie ist die Corona-Pandemie” waren laut Nachrichtenagentur dpa zu hören.

Laut Polizei “ziemlich voll”Über den Kurzbotschaftendienst Twitter schrieb die Polizei, es sei bei der Versammlung auf der Straße Unter den Linden “ziemlich voll geworden”. Die Beamten sind mit 1100 Kräften im Einsatz. Die Teilnehmer seien nachdrücklich auf ausreichende Abstände und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung hingewiesen worden:

Im Lauf des Tages sollen mehrere Gegendemonstrationen stattfinden, unter anderem wurde eine Veranstaltung “Kein Fußbreit den Verschwörungstheoretikern” mit 500 Menschen angemeldet. Insgesamt werden am Wochenende in Berlin mehr als 20.000 Demonstranten erwartet.

Unverständnis für die Demo gab es von politischer Seite. Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken schrieb: “Tausende #Covidioten feiern sich in #Berlin als “die zweite Welle”, ohne Abstand, ohne Maske. Sie gefährden damit nicht nur unsere Gesundheit, sie gefährden unsere Erfolge gegen die Pandemie und für die Belebung von Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft. Unverantwortlich!”Brandenburgs CDU-Landtagsfraktionschef Jan Redmann teilte mit: “Wieder 1000 Neuinfektionen/Tag und in Berlin wird gegen Corona-Auflagen demonstriert? Diesen gefährlichen Blödsinn können wir uns nicht mehr leisten.”
Icon: Der Spiegel



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